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80 Jahre Novemberpogrom

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde auch in Freiburg die Synagoge in Brand gesetzt, weitere jüdische Einrichtungen beschädigt und Juden drangsaliert – angeblich als spontane Reaktion des Volkes auf das von Herschel Grynszpan verübte Attentat auf einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Paris, in Wirklichkeit aber sorgfältig geplant, wie beispielsweise ein Telegramm zeigt: „Sämtliche jüdische Geschäfte sind sofort von SA-Männern in Uniform zu zerstören. Nach der Zerstörung hat eine SA-Wache aufzuziehen, die dafür zu sorgen hat, dass keinerlei Wertgegenstände entwendet werden können. […] Die Presse ist heranzuziehen. Jüdische Synagogen sind sofort in Brand zu stecken, jüdische Symbole sind sicherzustellen. Die Feuerwehr darf nicht eingreifen. Es sind nur Wohnhäuser arischer Deutscher zu schützen, allerdings müssen die Juden raus, da Arier in den nächsten Tagen dort einziehen werden. […] Der Führer wünscht, dass die Polizei nicht eingreift. Sämtliche Juden sind zu entwaffnen. Bei Widerstand sofort über den Haufen schießen. An den zerstörten jüdischen Geschäften, Synagogen usw. sind Schilder anzubringen, mit etwa folgendem Text: ‚Rache für Mord an vom Rath. Tod dem internationalen Judentum. Keine Verständigung mit Völkern, die judenhörig sind.‘“ Damit hatte der staatlich gelenkte Antisemitismus eine neue Stufe erreicht. Auch Bürger in unseren Stadtteilen waren betroffen. Wir nennen einige Beispiele und orientieren uns dabei an den Stolpersteinen in unseres Stadtteilen (Projektleiterin für Freiburg: Marlis Meckel):

 Dr. Ernst Beck, * 1885 in Lörrach, (Gymnasial-)Professor, seit 1922 an der Lessingschule (Höhere Mädchenschule I) in Karlsruhe. Ein Tag vor Inkrafttreten des berüchtigten „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom Dienst suspendiert, jedoch als Weltkriegsteilnehmer zwei Monate später wieder in Dienst gestellt. Zum 1.1.1936 in Folge der „Nürnberger Gesetze“ endgültig in den Ruhestand versetzt und bald danach nach Freiburg, Vierlinden 1, gezogen. Nach dem Pogrom verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau verbracht, dort am 14.11.1938 angeblich auf der Flucht erschossen.
Max Bloch, * 1894 in Eichstetten, Kaufmann, seit 1926 in der Reichsgrafenstraße 16. 1936 in die Schweiz, später nach Frankreich geflohen und dort nach der Wehrmacht-Besetzung verhaftet und gefoltert, u. a. wurden ihm beide Augen ausgestochen. Er starb am 14.12.1943 in Nizza an den Misshandlungen. Carry Judas geb. Ramsfelder. Geboren am 14.5.1896 in Obbach (Kreis Schweinfurt), verheiratet mit Leopold Judas, wohnte Gresserstr. 17. Am 22.10.1940 nach Gurs deportiert, später ins KZ Drancy, am 20.11.1942 nach Auschwitz und dort ermordet. Ihr Sohn Kurt wurde Mitte 1942 von der jüdischen Kinderhilfsorganisation OSE (Œvre de Secours aux Enfants) aus dem Lager geschmuggelt, als „umherwandernder Jude“ in verschiedenen Heimen untergebracht, dort sexuell missbraucht und geschlagen, kam schließlich zu Verwandten in die USA und hat deshalb überlebt.
Prof. Dr. Alfred Loewy. Geboren am 20.6.1873 in Rawitsch (Provinz Posen), Studium der Mathematik, Promotion 1894 in München, 1897 Habilitation in Freiburg (als Jude in München nicht möglich), seit 1919 Ordinarius in Freiburg, wohnte Reichsgrafenstr. 14, 1933 von Heidegger (einem ehemaligen Schüler Loewys!) zwangspensioniert. Seit 1916 teilweise, seit 1928 völlig blind. Bei seiner Beerdigung – er starb am 25.1.1935 – war kaum einer seiner Kollegen anwesend. Seine Frau Therese geb. Neuberger kam über den Tod ihres Mannes nicht hinweg. Am 22.10.1940, dem Tag der Deportation, schnitt sie sich die Pulsadern auf und verstarb im Krankenhaus.
Dr. Edith Stein. Geboren am 12.10.1891 in Breslau, Studium der Philosophie, Promotion 1918 in Freiburg, wohnte Zasiusstr. 24. Seit 1922 katholisch, seit 1932 Dozentin in Münster, dort 1933 als „Nichtarierin“ entlassen, worauf sie Ordensschwester im Kölner Carmeliterinnen-Kloster wurde. 1938 in die Niederlande geflüchtet, dort am 2.8.1942 verhaftet und über verschiedene Lager nach Auschwitz deportiert und gleich nach ihrer Ankunft am 9.8.1942 ermordet. 1998 als Märtyrerin heiliggesprochen (Glasfenster im Münster).

K.-E. Friederich, BV

Bunte Vielfalt

22. September, ein Tag mit strahlendem Sonnenschein, bestens geeignet, die bunte Vielfalt des UWC Robert Bosch Colleges beim Tag der offenen Tür in der Kartaus zu präsentieren. Die derzeit rund 200 Schüler und Schülerinnen stammen aus 104 Ländern und verstehen sich offensichtlich prächtig. Viele sind in farbenfrohe Nationaltrachten gekleidet (was tragen Deutsche, wenn sie sich in einem der ausländischen United World Colleges auf das internationale Bakkalaureat vorbereiten?), an den Ständen vor der Mensa bieten sie Leckereien aus ihrer Heimat zum Kosten. Unbestrittene Höhepunkte sind die Tänze aus ganz unterschiedlichen Ecken der Welt, an denen sich nicht nur die jeweils „Einheimischen“ beteiligen. Das Publikum wurde beim chinesischen Tanz zum Mitmachen aufgefordert, hat viel gelacht und kam ordentlich ins Schwitzen. Nachdenklich machte die „Wehklage“ eines afghanischen Schülers in seiner Muttersprache und in englischer Übersetzung – sechs Plätze sind für Flüchtlinge reserviert.
Constanze Fetzner und Karl-Ernst Friederich vom Bürgerverein genossen die bunte Vielfalt und haben zwei Interviews mit den Beteiligten geführt.
K.-E. Friederich

Waldsee in Not

Zu den Anziehungspunkten des Freiburger Ostens gehört der Waldsee: ein Restaurant-Besuch, Boot fahren oder einfach spazieren gehen sind Musterbeispiele für Naherholung. Diese Idylle wurde am 5. August, einem Sonntag, empfindlich gestört: Tote Fische schwammen an der Oberfläche, dazu stank es erheblich. Olaf Maier von der Waldsee Events GmbH benachrichtigte Gisela Friederich, die für dieses Gebiet zuständige Naturschutzwartin, und bat sie um Hilfe, weil sie über die Kontaktdaten aller betroffenen Behörden und Vereine verfügt. Simon Winter, ebenfalls vom Waldsee, hatte bereits die Feuerwehr um Hilfe gebeten.

THW und Feuerwehr-Umwälzpumpen zur Sauerstoffanreicherung Foto: Gisela Friederich

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Wandel am Sandfangweg

Seit fast einem halben Jahrhundert, seit 1972, hat der Heilpädagogische (Kindermund „Halbpädagogische“) Hort am Sandfangweg sich um Kinder gekümmert, die eine individuelle Betreuung benötigen. Gegründet 1934 und damit ältester derartiger Hort in Deutschland, war er nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst in den Schweizerbaracken an der Urachstraße untergebracht, bevor er den Neubau am Sandfang beziehen konnte; anfangs getragen von der Stadt, seit 1.1.1999 von der Waisenhausstiftung.

Die liebevoll gestalteten Wände im Inneren erfreuen auch die neuen Nutzer Foto: Lehmann

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Aus dem Stadtarchiv

Die Veröffentlichung dieses Artikels in Fortsetzung ist leider etwas durcheinander geraten; wir bitten um Entschuldigung und bringen hier die richtige Reihenfolge:
Beginn der Serie: Bürgerblatt 233 (April 2017)
1. Fortsetzung: Bürgerblatt 235 (Juni 2017)
2. Fortsetzung: Nachfolgend (war ursprünglich für August 2017 vorgesehen)
3. Fortsetzung und Schluss: Bürgerblatt 243 (Februar 2018)

Nachdem der Stadt 1907 und 1909 in zwei Instanzen der Nachweis nicht gelungen war, dass sie Eigentümerin des Schleifenwegs (verbindet beim Schwarzwald-Hostel die Kartäuserstraße mit dem Augustinerweg = Hexenwegle) ist und ihr Rechtsanwalt dringend davon abgeraten hat, ihr Glück noch vor dem Reichsgericht in Leipzig zu versuchen, strebte sie einen Vergleich mit der Firma Mez & Söhne an.

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Die Bundestagswahl im Osten

Üblicherweise bringen wir im Bürgerblatt die Ergebnisse einer Wahl speziell für unsere Stadtteile Oberau, Oberwiehre und Waldsee. Dies ist für die Bundestagswahl 2017 nicht sinnvoll möglich. Zwar hat das Amt für Bürgerservice und Informationsverarbeitung eine detaillierte und aufschlussreiche Analyse veröffentlicht; leider decken sich aber die zusammengefassten Briefwahlbezirke nicht mit den Stadtteilgrenzen, und da über ein Drittel der Wähler brieflich gewählt hat, erhält man kein zuverlässiges Ergebnis.
Trotzdem weisen wir empfehlend auf die Veröffentlichung hin; sie kann unter www. freiburg.de > Suchbegriff Wahlen/Wahlergebnisse heruntergeladen werden.
K.-E. Friederich

Stadtarchiv: Wem gehört der Weg?

Wem gehört der Weg?
(3. Fortsetzung, vgl. Bürgerblatt vom August 207, und Schluss)

In einem von 1905 – 1910 geführten Rechtsstreit zwischen der Stadt und der Firma Mez um die Frage, wer Eigentümer des Verbindungswegs zwischen Kartäuserstraße und Augustinerweg (Hexenwegle) beim heutigen Schwarzwaldhostel ist, konnte sich die Stadt mit ihrem Anspruch nicht durchsetzen; es waren dabei Akten bis zurück zum Stadtplan von 1786 herangezogen worden. So blieb nur der Weg einer gütlichen Einigung:
Mez verzichtet darauf, den städtischen Anspruch zu bestreiten, und erhält dafür eine Grunddienstbarkeit (ein widerrufliches Wegerecht war ihm zu wenig) für die Zufahrt vom Burghaldering zu seinen Reben am Schlossberg. Durch die neu angelegte Waldstraße war nämlich sein Grundstück nur noch von unten zu erreichen und dadurch umständlicher zu bewirtschaften. Ein entsprechender Vertrag wurde am 8.6.1910 vor dem Grundbuchamt geschlossen. Fast auf den Tag genau ein Jahr später, am 7.6.1911, wurde das Urteil des Amtsgerichts rechtkräftig, wonach alle Ansprüche gegen die Stadt am Verbindungsweg ausgeschlossen wurden; sie war jetzt rechtmäßige Eigentümerin.
Ende 1911 war der Verbindungsweg vom Burghaldering zu den mezschen Reben fertiggestellt, Ende 1912 auch die Treppe auf dem Verbindungsweg; dafür war noch ein geringfügiger Geländetausch notwendig, damit sie in durchgehend gleicher Breite ausgeführt werden konnte.
Damit enden im Wesentlichen die Akten. Am 28.4.1920 meldete noch das Forstamt: Der (Privat-)Weg von der südlichen Schlossbergstraße [richtig: Burghalde] zum Mezschen Rebberg wurde durch eine hölzerne Querstange und ein Schild „Verbotener Privatweg“ gesperrt; beide wurden mehrfach gestohlen; Spaziergänger laufen jeden Tag im Rebberg herum. Mez schlägt vor, auf eigene Kosten eine solidere Absperrung (Tor) anzubringen und selbst zu unterhalten. Forstamt befürwortet dies in stets widerruflicher Weise. Dies wurde am 5.5.1920 genehmigt.

K.-E. Friederich

Perspektivplan Stadtbahnverlängerung Littenweiler: Wieder nix!

Als Bürgerverein des Stadtbezirks Oberwiehre-Waldsee sind wir unmittelbar nur im Bereich der Laßbergstraße und durch den Parkdruck betroffen, für unseren befreundeten Nachbar- Stadtbezirk Littenweiler entwickelt sich das erneute Verzögern des Stadtbahn-Ausbaus bis zum Kappler Knoten jedoch zur Tragödie

Am 24. Oktober hat der Gemeinderat den Perspektivplan der Stadtwerke Freiburg „zur Kenntnis genommen“. In den Stadtwerken sind badenova, VAG und die städtischen Bäder zusammengefasst; mit dem Überschuss von badenova wird die Unterdeckung der Bäder und des öffentlichen Verkehrs so weit wie möglich ausgeglichen. Dies gelingt immer schlechter, und deshalb wird es in absehbarer Zeit keinen weiteren Ausbau des Stadtbahnnetzes oder ähnliche Investitionen geben, das heißt auch keine Stadtbahnverlängerung in Littenweiler.

„Endstation Sehnsucht“: Wenn es nicht so makaber wäre, Tennessee Williams Pulitzer-Preis Drama, das seinen Namen durch den Verlust einer Straßenbahnlinie in New Orleans bekam, symbolisiert die abgebildete Straßenbahnkreuzung an der Endhaltestelle Laßbergstraße leider aufs trefflichste Foto: Lehmann

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Hochschule für Musik mit neuem Rektor

Ludwig Holtmeier, seit dem 1.Oktober 2017 Rektor der Hochschule für Musik, stand für ein Gespräch unserem Ehrenmitglied Karl-Ernst Friederich für das Bürgerblatt zur Verfügung.

BBL: Herr Holtmeier, zunächst auch an dieser Stelle unseren Glückwunsch zu Ihrem neuen Amt. Wir wünschen Ihnen dazu eine gelungene Kombination von Sensibilität und dickem Fell, Sie werden beides brauchen.

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