80 Jahre Novemberpogrom

In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde auch in Freiburg die Synagoge in Brand gesetzt, weitere jüdische Einrichtungen beschädigt und Juden drangsaliert – angeblich als spontane Reaktion des Volkes auf das von Herschel Grynszpan verübte Attentat auf einen Mitarbeiter der deutschen Botschaft in Paris, in Wirklichkeit aber sorgfältig geplant, wie beispielsweise ein Telegramm zeigt: „Sämtliche jüdische Geschäfte sind sofort von SA-Männern in Uniform zu zerstören. Nach der Zerstörung hat eine SA-Wache aufzuziehen, die dafür zu sorgen hat, dass keinerlei Wertgegenstände entwendet werden können. […] Die Presse ist heranzuziehen. Jüdische Synagogen sind sofort in Brand zu stecken, jüdische Symbole sind sicherzustellen. Die Feuerwehr darf nicht eingreifen. Es sind nur Wohnhäuser arischer Deutscher zu schützen, allerdings müssen die Juden raus, da Arier in den nächsten Tagen dort einziehen werden. […] Der Führer wünscht, dass die Polizei nicht eingreift. Sämtliche Juden sind zu entwaffnen. Bei Widerstand sofort über den Haufen schießen. An den zerstörten jüdischen Geschäften, Synagogen usw. sind Schilder anzubringen, mit etwa folgendem Text: ‚Rache für Mord an vom Rath. Tod dem internationalen Judentum. Keine Verständigung mit Völkern, die judenhörig sind.‘“ Damit hatte der staatlich gelenkte Antisemitismus eine neue Stufe erreicht. Auch Bürger in unseren Stadtteilen waren betroffen. Wir nennen einige Beispiele und orientieren uns dabei an den Stolpersteinen in unseres Stadtteilen (Projektleiterin für Freiburg: Marlis Meckel):

 Dr. Ernst Beck, * 1885 in Lörrach, (Gymnasial-)Professor, seit 1922 an der Lessingschule (Höhere Mädchenschule I) in Karlsruhe. Ein Tag vor Inkrafttreten des berüchtigten „Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom Dienst suspendiert, jedoch als Weltkriegsteilnehmer zwei Monate später wieder in Dienst gestellt. Zum 1.1.1936 in Folge der „Nürnberger Gesetze“ endgültig in den Ruhestand versetzt und bald danach nach Freiburg, Vierlinden 1, gezogen. Nach dem Pogrom verhaftet und ins Konzentrationslager Dachau verbracht, dort am 14.11.1938 angeblich auf der Flucht erschossen.
Max Bloch, * 1894 in Eichstetten, Kaufmann, seit 1926 in der Reichsgrafenstraße 16. 1936 in die Schweiz, später nach Frankreich geflohen und dort nach der Wehrmacht-Besetzung verhaftet und gefoltert, u. a. wurden ihm beide Augen ausgestochen. Er starb am 14.12.1943 in Nizza an den Misshandlungen. Carry Judas geb. Ramsfelder. Geboren am 14.5.1896 in Obbach (Kreis Schweinfurt), verheiratet mit Leopold Judas, wohnte Gresserstr. 17. Am 22.10.1940 nach Gurs deportiert, später ins KZ Drancy, am 20.11.1942 nach Auschwitz und dort ermordet. Ihr Sohn Kurt wurde Mitte 1942 von der jüdischen Kinderhilfsorganisation OSE (Œvre de Secours aux Enfants) aus dem Lager geschmuggelt, als „umherwandernder Jude“ in verschiedenen Heimen untergebracht, dort sexuell missbraucht und geschlagen, kam schließlich zu Verwandten in die USA und hat deshalb überlebt.
Prof. Dr. Alfred Loewy. Geboren am 20.6.1873 in Rawitsch (Provinz Posen), Studium der Mathematik, Promotion 1894 in München, 1897 Habilitation in Freiburg (als Jude in München nicht möglich), seit 1919 Ordinarius in Freiburg, wohnte Reichsgrafenstr. 14, 1933 von Heidegger (einem ehemaligen Schüler Loewys!) zwangspensioniert. Seit 1916 teilweise, seit 1928 völlig blind. Bei seiner Beerdigung – er starb am 25.1.1935 – war kaum einer seiner Kollegen anwesend. Seine Frau Therese geb. Neuberger kam über den Tod ihres Mannes nicht hinweg. Am 22.10.1940, dem Tag der Deportation, schnitt sie sich die Pulsadern auf und verstarb im Krankenhaus.
Dr. Edith Stein. Geboren am 12.10.1891 in Breslau, Studium der Philosophie, Promotion 1918 in Freiburg, wohnte Zasiusstr. 24. Seit 1922 katholisch, seit 1932 Dozentin in Münster, dort 1933 als „Nichtarierin“ entlassen, worauf sie Ordensschwester im Kölner Carmeliterinnen-Kloster wurde. 1938 in die Niederlande geflüchtet, dort am 2.8.1942 verhaftet und über verschiedene Lager nach Auschwitz deportiert und gleich nach ihrer Ankunft am 9.8.1942 ermordet. 1998 als Märtyrerin heiliggesprochen (Glasfenster im Münster).

K.-E. Friederich, BV

Leserinnenbrief

Info / Stellungnahme zur Wilhelm-Dürr-Staße

Über meine Bauherrschaft der Wilhelm-Str. 6 kenne ich die Bausubstanz gut:
Aus architektonischer Sicht sind die Häuser wunderbar, aber auch wunderbar klein, für Leute mit ganz geringem Einkommen geplant und gebaut, große Gärten; Hühnerställe, Waschhäuschen runden das Bild ab.
Die Baukosten waren sicher nicht hoch und doch gibt es ein sehr innovatives Detail an den Häusern, das ist das zweischalige Mauerwerkverbundsytem, eine technische Glanzleistung bis heute, durch die eingeschlossene Luft mit dem Ziegelmauerwerk ergibt ein sehr gute Isolierung und durch das gewählte Material, gebrannter Ton als Pufferspeicher ergibt sich eine besondere und vorteilhafte Wirkung auf das Raumklima, auch was die Regulierung der Luftfeuchtigkeit angeht, hier ein Wärmedämmverbundsystem aufzukleben wäre ein Sünde.
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Polis – Recht auf Stadt

Wem gehört die Stadt und wie wollen wir wohnen?

Es ging hoch her im Kunstverein: vor über hundert Besuchern diskutierten auf dem Podium Klaus Theweleit (Kulturwissenschaftler und Autor), Bertold Albrecht (Mobile Akademie), Stefan Rost (Mietshäusersyndikat), Tomas Wald (Stadtsoziologe) und Frauke Stablo (Initiative “Wiehre für alle”) zum Thema: Stadtentwicklung Freiburg.

Entlang der Thesen des Soziologen und Philosophen Henri Lefebvre – “Das Recht auf Stadt”, Paris 1968 – reflektierten sie die Entwicklungen in Freiburg. Neubauen oder Verdichten, in die Höhe oder doch die Hänge herauf, oder vielleicht auch von allem etwas? Die eine Frage zielt auf Wachstum ab, die andere fragt nach bestehenden Strukturen. Diskutiert wurde wie und ob eine Baupolitik der „sozialen Verantwortung“ und Teilhabe umgesetzt werden kann. Wie können die Städte wieder bezahlbar werden? Als pars pro toto fokussierte man sich schnell auf die Rolle der Genossenschaften – und damit sind wir mitten in unserem Stadtteil.

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Stand der Dinge in unserem Stadtteil

Vervollständigung der Bänke an der Nordseite der renaturierten Dreisam

Vier „gedoppelte“ und drei Einzelsitzbänke vervollständigen das Sitzangebot Foto: Lehmann

Nach der Fertigstellung der Renaturierungsarbeiten im Sommer 2013 konnten die 13 vor den Umbaumaßnahmen an der Nordseite stehenden Sitzbänke aufgrund ihres schlechten Zustandes nicht mehr verwendet werden. Der Bürgerverein organisierte daraufhin eine Spendenaktion, die dazu führte, dass in Zusammenarbeit mit der Stadt (GuT) ab der Saison 2015 sechs neue Bänke installiert werden konnten. (den damaligen Spender*innen noch einmal ein großes Dankeschön von dieser Stelle). Diese Zahl an Bänken entsprach jedoch in keiner Weise der starken Besucherfrequenz. Die Stadt sah sich außer Stande, die weiteren 7 fehlenden Bänke zu finanzieren. Der Bürgerverein hat nun mit den zugeteilten Stadtteil-Entwicklungs-Projektgeldern (STELL-Gelder) dafür gesorgt, dass ab Juli 2018 die ursprüngliche Zahl an Sitzbänken wieder erreicht wurde. Die durchweg positiven Rückmeldungen bestätigen die Richtigkeit des Projektgeld Einsatzes.

Fertigstellung des Familienheim Neubaus Ecke Tal-Falkensteinstraße

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UWC Interviews

Andrei Oltei stammt aus Târgoviște in Rumänien, der ehemaligen Hauptstadt der Walachei, heute mit rund 80 000 Einwohnern; sein Vater ist orthodoxer Priester, seine Mutter Medizinalassistentin. Er ist neu hier und teilt sein Zimmer mit Schülern aus Deutschland, Kanada und Simbabwe.

BBl: Warum bist du hier?
Andrei: Die meisten Rumänen wollen ins Ausland. Ich habe mich im Internet erkundigt und mich, trotz einer gewissen Skepsis, für ein UWC beworben, indem ich das entsprechende Formular ausgefüllt und ein Bewerbungsschreiben verfasst habe.
BBl: Wie verlief dann die Bewerbung?
Andrei: Ich wurde zusammen mit anderen Bewerbern ins italienische Kulturinstitut nach Bukarest eingeladen. Dort wurde ich von einer zehnköpfigen Kommission befragt, anschließend gab es ein Gruppeninterview mit zwölf Interessenten. Vier davon, darunter ich, wurden letztlich aufgenommen.
BBl: War Freiburg dein Wunschziel?
Andrei: Erste Option war Kanada, zweite war Freiburg. Insofern bin ich froh, dass ich hierhergekommen bin.
BBl: Was war für dich der auffälligste Unterschied zwischen Freiburg und deiner Heimatstadt?
Andrei: Die Vielfalt! Bei uns leben fast nur Rumänen.
BBl: Was planst du für die Zeit nach dieser Schule?
Andrei: Ein Studium der Politik, Philosophie und Wirtschaft, möglichst im englischsprachigen A usland.
BBl: Danke für das Gespräch, wir wünschen dir viel Erfolg!

Vlada Trofimtschuk stammt aus der Oblast Sumy im Nordosten der Ukraine. Ihr Vater ist Logistikmanager, ihre Mutter Ärztin. Sie ist jetzt im zweiten und damit letzten Schuljahr hier und teilt sich ihr Zimmer mit Schülerinnen aus Deutschland, den Philippinen und Uruguay.

BBl: Warum bist du hier?
Vlada: Ich habe mich aus eigener Initiative online beworben. Dazu musste ich zwei Aufsätze zu meiner Motivation schreiben, zwei Empfehlungsschreiben meiner Lehrer vorlegen und ein Telefon-Interview führen. Anschließend wurde ich nach Kiew zu einem Einzel- und einem Gruppeninterview eingeladen. Zu guter Letzt konnte ich in den Kreis der UWC-Schüler nachrücken.
BBl: Warum Freiburg?
Vlada: Das ist Zufall, ich hatte keine bestimmte Option.
BBl: Und wie ist es hier?
Vlada: Einfach toll; alle Welt ist hier versammelt.
BBl: Was sind deine Pläne nach dem Abschluss dieser Schule?
Vlada: Ich werde mich um ein Stipendium der Davis Scholarship bemühen, um Biologie oder Psychologie studieren zu können. [Anmerkung der Redaktion: Shelby Davis Scholarship, gegründet 2000 mit ursprünglich fünf, inzwischen 95 US-amerikanischen Hochschulen speziell für UWC-Absolventen.]
BBl: Wir wünschen dir viel Erfolg und weiterhin eine schöne Zeit in Freiburg.

Bunte Vielfalt

22. September, ein Tag mit strahlendem Sonnenschein, bestens geeignet, die bunte Vielfalt des UWC Robert Bosch Colleges beim Tag der offenen Tür in der Kartaus zu präsentieren. Die derzeit rund 200 Schüler und Schülerinnen stammen aus 104 Ländern und verstehen sich offensichtlich prächtig. Viele sind in farbenfrohe Nationaltrachten gekleidet (was tragen Deutsche, wenn sie sich in einem der ausländischen United World Colleges auf das internationale Bakkalaureat vorbereiten?), an den Ständen vor der Mensa bieten sie Leckereien aus ihrer Heimat zum Kosten. Unbestrittene Höhepunkte sind die Tänze aus ganz unterschiedlichen Ecken der Welt, an denen sich nicht nur die jeweils „Einheimischen“ beteiligen. Das Publikum wurde beim chinesischen Tanz zum Mitmachen aufgefordert, hat viel gelacht und kam ordentlich ins Schwitzen. Nachdenklich machte die „Wehklage“ eines afghanischen Schülers in seiner Muttersprache und in englischer Übersetzung – sechs Plätze sind für Flüchtlinge reserviert.
Constanze Fetzner und Karl-Ernst Friederich vom Bürgerverein genossen die bunte Vielfalt und haben zwei Interviews mit den Beteiligten geführt.
K.-E. Friederich

725 Jahre Schützengesellschaft Freiburg

In der Kurve der Waldseestraße gegenüber dem Campingplatz Busse liegen hinter Büschen versteckt das Vereinsheim und das Schießgelände der Schützengesellschaft Freiburg e.V. Bereits 1293 urkundlich erwähnt, feierte sie am 9. September 2018 als einer der ältesten Freiburger Vereine ihr 725- jähriges Jubiläum. Im Rahmen des Festaktes wurde die neue Standarte eingeweiht. Die SG Freiburg ist die älteste südbadische Schützenvereinigung.

Idyllisch gelegenes Schützenhaus am Waldsee Foto: Lehmann

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„Légère“-Boule-Turnier auf dem Generationenspielplatz Laubenhof

Der Generationenspielplatz am Begegnungszentrum Laubenhof machte seinem Namen alle Ehre: Von jung bis alt wetteiferten 16 Teams um die Plätze. Und auch das Wetter sorgte dafür, damit das vom Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee und der Heiliggeistspitalstiftung zusammen mit den Partnern Freiburger Turnerschaft 1844 e.V. und Bad Dürrheimer ins Leben gerufene „Légère“-Boule-Turnier auch im vierten Jahr wieder ein voller Erfolg wurde. Der Bürgerverein nahm traditionsmäßig mit zwei Vorstandsmitgliedern teil, dieses Mal jedoch nicht als ein gemeinsames Team sondern aufgeteilt auf zwei Teams. Beirat Benedikt Mechler spielte mit Bürgermeister Ulrich von Kirchbach und der 1. Vorsitzende Hans Lehmann bildete mit Anja Heer aus der Geschäftsleitung der FT v. 1844 das zweite Team.

Turnier-Chef’ Raphael Henkes von der FT-Petanque-Abteilung erklärt noch einmal die Regeln. Foto: Stiftungsverwaltung

Dass das Turnier mittlerweile als feste Veranstaltungs-Größe im Freiburger Osten angekommen ist zeigte nicht nur die schnelle Besetzung des 16er Teilnehmerfeldes sondern auch die zahlreichen Zuschauer. Stiftungsdirektorin Marianne Haardt und der Leiter des Dienstleistungszentrums Heiliggeistspitalstiftung, Christoph Weiß würdigten dies als besonders erfreulicher Nebeneffekt des Turniers.

Hans Lehmann, BV

Freiburger Tafel

Freiburger Tafel: Lebensmittel retten, bedürftigen Menschen helfen

Armutsbekämpfung, Nachhaltigkeit, Ehrenamt und Integration sind Themen, denen sich die Freiburger Tafel Tag für Tag zu stellen hat. Es lohnt sich, über diese bei uns gelegene ehrenamtliche Sozialeinrichtung ersten Grades mehr zu erfahren

Tafelladen Freiburg in der Knopfhäusle-Siedlung, Schwarzwaldstraße 58a Foto: Lehmann

Beim Thema Armut kommt den meisten Menschen nicht als erstes Deutschland in den Sinn, eine der reichsten Nationen der Welt. Und doch leben hier Millionen Menschen, die von Armut betroffen oder bedroht sind. In der Regel handelt es sich dabei nicht um existenzielle Armut, also eine Armut, bei der das Leben, etwa durch einen signifikanten Mangel an Lebensmitteln, unmittelbar in Gefahr ist. Dennoch leben die Betroffenen in Deutschland im Vergleich zur übrigen Bevölkerung mit erheblichen Einschränkungen. Von Armut bedrohte oder betroffene Menschen wenden den größten Teil ihres Einkommens für die Sicherung elementarer Lebensbedürfnisse auf. Für den Kauf von Lebensmitteln bleiben ihnen meist nur wenige Euro pro Tag, die für sämtliche Mahlzeiten ausreichen müssen. Frisches Obst und Gemüse, Fleisch und Milchprodukte werden zu Luxusgütern, die sich Bedürftige nur selten leisten können. Für die Pflege mitmenschlicher Kontakte und soziale Teilhabe bleibt selten Geld übrig. Die möglichen Folgen sind vielfältig: Mangelernährung, hohe Krankheitsanfälligkeit, soziale Isolation, Suchtprobleme.
Die Tafeln in Deutschland setzen sich dafür ein, die Folgen der Armut in einem Land des Überflusses etwas zu lindern – und den Betroffenen den Alltag etwas zu erleichtern.

Mitarbeite*innen der Freiburger Tafel beim Obst-und Gemüserichten Foto: Lehmann

Das Prinzip aller Tafelläden in Deutschland ist, der Verschwendung von Lebensmittel entgegen zu wirken. Jeden Tag werden etliche Tonnen Lebensmittel vernichtet, die nicht mehr “verkaufsschön“ sind. Die Freiburger Tafel sammelt diese Lebensmittel ein, sortiert sie und verteilt sie an nachweislich Bedürftige, immer gegen ein geringes Entgelt (ca. 10% des regulären Preises). Damit schaffen sie eine Brücke zwischen Überfluss und Mangel.

Ein zentrales Herzstück der Tafel-Arbeit ist das ehrenamtliche Engagement. Die Bandbreite der Einsatzbereiche der ehrenamtlichen Helfer ist vielfältig. Von der Arbeit als Fahrer oder im Lager über den Einsatz bei der Ausgabe und Verarbeitung von Lebensmitteln bis zur Mitarbeit in Verwaltung und Organisation.
Die Tafeln leben Vielfalt. In die Freiburger Tafel kommen Menschen verschiedener Bildung, Religion und Kultur, verschiedenen Alters und Geschlechts, aus ganz unterschiedlichen Lebenswelten zusammen. Besonders für Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen oder sich in Notlagen befinden, ist die Tafel Anlaufstelle und Treffpunkt, ein Ort von Kommunikation, Miteinander, Unterstützung und Gastfreundschaft. Viele von ihnen haben eine Zuwanderungsgeschichte. Bei der Freiburger Tafel finden sie ein Netzwerk, das ihnen Selbstvertrauen und Hilfe gibt, um ihren Alltag zu bewältigen. Einige engagieren sich selbst als ehrenamtliche Helfer. So sorgen die Tafeln aktiv für Integration. Als Kunden, Helfer und Spender sind der Freiburger Tafel alle willkommen, die andere respektieren und Vielfalt als Bereicherung begreifen. Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Gewalt haben hier keinen Platz.
Wenn Sie sich angesprochen fühlen und sich ehrenamtlich bei der Freiburger Tafel engagieren wollen, nehmen Sie Kontakt auf unter: Tel. 0761-2 92 72 44; Mail info@freiburger-tafel.de oder postalisch: Tafel e.V. Schwarzwaldstraße 58a, 79117 Freiburg. Mehr Infos unter www.freiburger-tafel.de. Besonders gesucht: ehrenamtliche Fahrer.
Hans Lehmann, BV

Freiburger Tafel Vorsitzende Annette Theobald Foto: Lehmann

Interview mit Annette Theobald, der ehrenamtlich tätigen Vorsitzenden der Freiburger Tafel. Das Interview führte Hans Lehmann

BBL: Frau Theobald, seit ca. einer Stunde bin ich hier bei Ihnen im Tafelladen. Um uns herum herrscht reges Treiben. Vor dem Laden die in Schlange stehende Kundschaft, im Laden Personal im Verkauf, an den Kassen, in der Verwaltung, bei der Lebensmittel-Vorbereitung und vor der Anlieferungsgarage stehen zwei Transporter mit frischer Ware. Sie mitten drin. Geht das hier jeden Tag so zu?

AT (Annette Theobald): Ja, das ist das übliche Tagesgeschäft. Die Freiburger Tafel versorgt gegenwärtig ca. 2600 Haushalte mit ca. 6100 Personen. Durchschnittlich kaufen täglich 300 Haushalte bei der Tafel ein. Pro Monat werden ca. 62 Tonnen Lebensmittel eingesammelt und von unseren drei Kühltransportern hierher geliefert. Unsere siebenköpfige ehrenamtliche Vorstandschaft trifft sich monatlich zur Bearbeitung der vielfältigen Aufgaben des gesamten „Tafellebens“.

BBL: Vorsitzende des Tafelladens zu sein, was bedeudet das?

AT: Die Freiburger Tafel wird von ca. 200 ehrenamtlichen Helfer*innen unterstützt, davon sind ca. ein Drittel im Fahrdienst tätig. Dieses Personal alleine ehrenamtlich zu managen, wäre bei dem ständigen Bürokratieanstieg nicht zu bewältigen. Wir haben mittlerweile 6,5 Stellen für hauptamtlich tätige Mitarbeiter*innen. Als Vorsitzende bin ich jeden Morgen an den Öffnungstagen vor Ort und mit der Gesamtorganisation beschäftigt, ich übernehme aber auch die Repräsentation des Vereins nach außen. Dass dies zusätzlich sehr, sehr viele Abende und Wochenenden bedeutet, brauche ich Ihnen als Vorsitzender eines Bürgervereins nicht zu erläutern.

BBL: Seit wann gibt es die Tafelladen-Idee und seit wann den Tafelladen Freiburg?

AT: Die Tafelladen-Idee Deutschland hat gerade ihr 25-jähriges Jubiläum gefeiert. Der Tafelladen Freiburg wurde im März 1999 gegründet. Er besteht damit im März 2019 zwanzig Jahre. Ich war von Anbeginn dabei und übernahm 2011, also vor acht Jahren, den Vorsitz.

BBL: Können Sie uns etwas über die Entstehungsgeschichte hier in Freiburg sagen?

AT: Die Hauptrolle bei der Gründung unserer Freiburger Tafel spielten sozial engagierte Frauen, vornehmlich aus Ebnet. Als „Gründungsmutter“ sei Frau Dr. Remmer genannt. Große Unterstützung erfuhren wir damals aber auch durch die Caritas, die Diakonie und der ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) als assoziierte Mitglieder.

BBL: Der Tafelladen Freiburg war zu Anbeginn am Adelhauser Platz, dann in der unteren Schwarzwaldstraße 16, nun hier in einem Neubau in der mittleren Schwarzwaldstraße 58 a in den Knopfhäusle. Wie kam es zu dem Umzug und wem gehört dieses Haus?

AT: Der alte Laden war durch die stark ansteigenden Nutzerzahlen viel zu klein geworden. Durch eine hervorragende Kooperation mit der Stadt – hier sei vor allem der ehemalige Finanzbürgermeister Otto Neideck genannt –, konnte die Tafel das Haus so finanzieren, dass wir mittlerweile schuldenfreier Besitzer des Erd- und Untergeschosses sind. Die oberen Räume gehören der Freiburger Stadtbau. Zugute kam uns dabei, dass mein Mann als Bauingenieur nicht nur die Projektidee für das geeignete Grundstück hatte, sondern auch die Pläne für den Tafelladen erstellen konnte.

BBL: Ich habe zuvor mit einem recht jungen Mitarbeiter gesprochen. Er berichtete mir, dass er Auszubildender bei Ford Ernst & König ist und dass zu seinem Ausbildungsprogramm ein zweiwöchiges Praktikum hier im Tafelladen gehört. Ist das ein Einzelfall?

AT: Ja, die Firma Ernst & König stellt jedoch im Reigen der vielen, vielen Firmen, die uns unterstützen – für deren Engagement ich mich an dieser Stelle auch noch einmal ausdrücklich bedanken möchte – eine Ausnahme dar; ca. 80 Auszubildende dieser Firma sind in diesem Praktikumsprogramm.

BBL: Frau Theobald, im Leitartikel dieses Bürgerblattes haben wir über Grundsätzliches der Freiburger Tafel berichtet und am Schluss einen Aufruf zur Mitarbeit – besonders im Fahrer-Bereich – getätigt. Über wen und wie man in der Tafel einkaufen kann, haben wir jedoch noch nicht gesprochen. Geht das in Kürze?

AT: Nein, das geht nicht in Kürze. Und wenn ich das hier erklären soll, ist das auch viel zu detailliert. Für Auskünfte dieser Art bitte 0761-2927244 anrufen oder sich unter www.freiburger-tafel.de erkundigen.

BBL: Frau Theobald, vielen Dank für dieses Interview, im Namen des Bürgervereins herzlichen Dank für Ihr herausragendes Engagement und vor allem Ihnen persönlich alles Gute für die weitere Arbeit bei der Freiburger Tafel.

Freiburg packt an – Herbstaktion

An alle Kastanienliebhaber, die schon seit etlichen Wochen das trockene Laub aus Straßen und Vorgärten entfernen, geht vorab ein großes Dankeschön – denn der Herbst kommt ja eigentlich erst noch.
Der heisse Sommer mit der großen Trockenheit hat der Natur zugesetzt und die geschwächten Kastanien zeigen das deutlich. Die Kastanienminiermotte konnte durch zuverlässiges Laubentfernen zurückgedrängt werden. Ihre Larven konnten so vernichtet werden und die Bäume haben sich erholt. Leider bleibt diese Aufgabe weiter eine Herausforderung und darum bitten wir alle Engagierten, nicht nachzulassen.
Die Schönheit der für unsere Region so typischen Kastanienbäume ist der Dank.

Säcke für das Laub sind im Erdgeschoss des Alten Rathaus in der Innenstadt kostenlos erhältlich und können hinterher am Straßenrand abgestellt werden. Die Stadt holt ab und entsorgt fachgerecht.

Constanze Fetzner(BV)