Naturbasierte Regenwasserbewirtschaftung: Gießen, was die Kanne hält

Als kleinen Beitrag gegen Dürre und Hochwasser, zur Kanalentlastung und vor allem zur Verschönerung der Gärten in der Stadt – speziell im Klima- und Wasserquartier Freiburg-Waldsee – haben wir in Freiburg eine Projektgruppe für eine naturnahe Regenwasserbewirtschaftung gegründet. Wir zeigen, wie man Dachablaufwasser für die Gartenbewässerung einfach in einer Regenwassertonne auffangen und für die Gartenbewässerung nutzen kann. In einem weiteren Schritt geben wir eine Anleitung, wie überschüssiges Wasser aus der Regentonne auf dem Grundstück schadfrei versickert werden kann – und wie sich damit langfristig vielleicht sogar Geld sparen lässt.

Im Rahmen vom „Klimaquartier Waldsee“ fördert die Stadt Freiburg 3 Pilotanlagen „Regentonne mit Versickerungsmulde“
Eine Projektgruppe von Regiowasser e.V. unterstützt und berät Interessenten bei der Umsetzung zur naturnahen Regenwasserbewirtschaftung. Es soll hier u.a. Begeisterung für die gute alte Regentonne als Einstieg zur naturnahen Niederschlagswasserbewirtschaftung im Stadtteil geweckt werden. Aber es soll nicht bei der Regentonne bleiben. Die Versickerung des Regenwassers auf dem eigenen Grundstück ins Grundwasser – und nicht die Ableitung in den sowieso schon überlasteten Kanal – ist ein angestrebtes Ziel. Zusätzlich wirken in diesem Zusammenhang unterstützend die Entsiegelung von Flächen, Umgestaltung von Garten-Rasenflächen mit naturnaher Bepflanzung und die Dachbegrünung.

Auf den Blog-Seiten einer unserer Projektmitglieder dreht es sich vor allem um das Thema Regenwasserversickerung in einer Versickerungsmulde im eigenen Garten:
https://www.ebook-tipp.eu/

Naturnah bepflanzte Versickerungsmulden

Mit der Nutzung des Regenwassers im Garten soll auch die Versickerung verbunden sein. Diese soll nach dem Überlauf z.B. aus der Regentonne in einer Mulde oder einer Rinne/Graben bzw. auch breitflächig erfolgen. Nach Möglichkeit soll dabei auch eine naturnahe Bepflanzung der Versickerungsmulde umgesetzt werden.
In diesem Zusammenhang könnte auch eine Umgestaltung in einen naturnahen, blühenden Garten mit einheimischen Pflanzen erfolgen. Sie werden Freude daran haben.

Das Ende steigender Gebühren

Die Gebühr für das Niederschlagswasser Freiburg wurde von 0,76 €/m² (2021) auf 0,87 €/m² (2022) versiegelte Fläche und Jahr erhöht (+14,5 %). Diese jährlich wiederkehrende Gebühr kann bei einer vollständigen Versickerung auf dem eigenen Grundstück dann auf Nachweis wegfallen. Das sind z.B. bei 150 m² versiegelter Fläche schon mal 130,50 € im Jahr. Eine weitere Bearbeitungsgebühr fällt bei kleinen Anlagen für die Anzeige i.d.R. nicht an (Auskunft badenova).

Neben Ersparnis der Niederschlagsentwässerungsgebühren kann nun Gießwasser aus den Regentonnen entnommen werden: Mit Gießkanne, Eimern oder einem angeflanschten Gartenschlauch. Hier wird dann zukünftig auf Leitungswasser nebst den darin verbundenen Abwassergebühren verzichtet. Und die Pflanzen freuen sich über weiches Wasser.

Maßnahmen zur Entsiegelung werden auch von der Stadt Freiburg im Rahmen ihres Förder-Programms „GebäudeGrünhoch3“ finanziell bezuschusst – Motto: „Wagt Ihr Hof den Aufbruch?“ Mehr Infos zum städtischen Förderprogramm zur Flächenentsiegelung sowie zur Dach- und Fassadenbegrünung unter www.freiburg.de/gg3

Langfristig nachhaltig

Neben dem dauerhaften wirtschaftlichen Vorteil überwiegen jedoch langfristig die ökologischen Belange. Je mehr Bürger und Eigentümer mitmachen, um so größer ist auch der Nutzen für alle, Mensch, Tier, Pflanze und Umwelt. Dabei liegt vor allem der ältere Gebäudebestand mit Gärten im Focus dieses Projektes, während in Neubaugebieten die Regenwasserversickerung bereits in der Planung vorgesehen ist.

Der vorhandene ältere Gebäudebestand, z.T. noch mit Mischwasserkanalisation, stellt den überwiegenden Anteil der privaten Dachflächen im Stadtgebiet dar. Wo immer es möglich ist, sollte eine Versickerung auf dem eigenen Grundstück zumindest geprüft werden.

Kontakt:
regentonnen@akwasser.de

Autoren:
Nikolaus Geiler (Dipl.-Biol., Limnologe), r e g i o W A S S E R e.V. / Freiburger Arbeitskreis Wasser im Bundesverband Buergerinitiativen Umweltschutz e.V. (BBU)
sowie Thomas Hertle, Projektkoordinator, ebenfalls Regiowasser-Mitglied und Sachverständiger für Liegenschaften

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