Oberaubrücke

Die Oberaubrücke (auch Fabrikstraßenbrücke genannt) stellt ein bedeutendes Beispiel für den Jugendstil in Freiburg dar. Sie entstand zwischen 1898 und 1901 nach einem Entwurf des Tiefbauamtsdirektors Max Buhle.

Oberaubrücke 2018. Foto: Matthias Baumann.

An der Stelle der heutigen Oberaubrücke führte bereits seit 1868 ein Fußgängersteg über die Dreisam. Er fiel, wie etliche andere Brücken Freiburgs, im März 1896 einem verheerenden Hochwasser zum Opfer. Nach dem Hochwasser beschloss die Stadtverwaltung die Erneuerung aller Dreisambrücken sowie den Neubau zweier Fußgängerstege. Zur Einwerbung von Entwürfen hatte sie Wettbewerbe ausgeschrieben. Die Brücken und Stege waren für die Bevölkerung von großer Bedeutung. Sie banden die Wiehre an die Altstadt und die Kartäuserstraße an. Im 19. Jahrhundert hatte sich die Bevölkerung in der Wiehre innerhalb von dreißig Jahren von etwa 5000 auf rund 20 000 Einwohner vervielfacht, und zwischen Schlossberg und Dreisam waren mehrere Industriebetriebe entstanden.

Oberaubrücke um 1930, Blick Richtung Schlossberg. Stadtarchiv Freiburg, Sign. M 70 S 202/28 Nr. 56.

Die Erfahrungen mit den großen Wassermengen hatten auf die Gestaltung der neuen Brücken einen wesentlichen Einfluss: Es wurden Lichtweiten von nunmehr 34 m sowie Brückenhöhen von mindestens 3,7 m anberaumt. Der alte Steg über die Dreisam an der Stelle der heutigen Fabrikstraßenbrücke hatte nur über 18 m Lichtweite verfügt.

Gusseisernes Detail der Oberaubrücke, 2018. Foto: Yoris Bringmann.

Neben ihrer Funktionalität sollte die Fabrikstraßenbrücke auch gestalterisch ansprechend sein. So erhielt sie an ihren vier Auflagepunkten Laternen mit gusseisernen Sockeln, die wie ein Tor wirken. Die Laternen stehen in einem engen Formzusammenhang mit dem ebenfalls gusseisernen, floralen Geländer im Jugendstil. Beides wurde seinerzeit von der Freiburger Gießerei Philipp Anton Fauler gefertigt.

Die Stahlkonstruktion der Brücke von 1901 wurde 1978 wegen ungenügender Tragfähigkeit, u. a. auch Korrosionsschäden, abgerissen. Der Ersatz aus Beton hat eine verbreiterte Fahrbahn. Die alten Widerlager hat man beim Neubau teilweise erhalten und mit Pfählen verstärkt. Das alte Brückengeländer konnte restauriert und wiederverwendet werden, ebenso wie die Laternen und Graphitpylonen.

Literatur

Buhle, Max: Brücken und Stege (1898), in: Durian-Ress, Saskia (Hg.), 100 Jahre Freiburger Architektenbuch. Bauen am Ende des Jahrhunderts, 1898–1998.  Begleitbuch zur Ausstellung im Augustinermuseum, Freiburg, 27. November 1998 bis 17. Januar 1999, Freiburg: Poppen & Ortmann, 1998, S. 246–256.

Kalchthaler, Peter: Zwischen Neuromanik, „modernisiertem“ Barock und Jugendstil. Bemerkungen zur Architektur im Freiburg der Wintererzeit, in: Durian-Ress, Saskia (Hg.): Jugendstil in Freiburg. Begleitbuch zur Ausstellung „Jugendstil in Freiburg“, 2. März–13. Mai 2001 im Augustinermuseum Freiburg, Freiburg: Rombach, 2001, S. 29–58.

Staechelin, Peter: Brücken in die Zukunft. Wege über die Dreisam, in: Klant, Michael (Hg.): Skulptur in Freiburg 2. Kunst des 19. Jahrhundert im öffentlichen Raum, Freiburg: Modo, 2000, S. 147–149.

Wir danken Herrn Frank Uekermann, Garten- und Tiefbauamt der Stadt Freiburg, für freundliche Auskünfte zur Modernisierung der Brücke 1978.

Irina Strauß, Pädagogische Hochschule Freiburg, Freiburg 2018