Knopfhäusle

Nicht weil sie so klein sind heißen die Knopfhäusle so – sondern weil es sich um Arbeiterhäuser handelt, die einst zu einer Porzellanknopffabrik gehörten. Sie sind damit ein frühes Zeugnis der Industrialisierung und des sozialen Wohnungsbaus in Freiburg.

Knopfhäusle 2018. Foto: Matthias Baumann.

Der Gründer der Fabrik, Jeremias Risler, kam im Jahr 1837 aus Cernay im Elsass nach Freiburg, um hier eine Niederlassung des väterlichen Unternehmens einzurichten. Wie sein Vater stellte er zunächst Woll- und Baumwollkratzen her, die man zur Fertigung von Textilien brauchte. Nicht lange nach der Gründung verselbstständigte er das Freiburger Unternehmen und trennte es somit vom Stammwerk ab.

Jeremias Risler (links) mit Ehefrau und Kindern. Vorlage: Stadtarchiv Freiburg, Sign. K 100 Jeremias Risler mit Familie.

1846 gründete Risler, gemeinsam mit dem Chemiker René Dutfoy aus Paris, zusätzlich eine Fabrik zur Herstellung von Porzellanknöpfen. Diese befand sich in der unteren Schwarzwaldstraße („Schwarzwaldhof“). Während der Revolutionsjahre 1848/49 erlitt die Knopffabrik Einbußen. Kurzzeitig wurde das Werksgelände sogar Schauplatz eines Gefechts zwischen Freischärlern und Bundestruppen.

Historische Ansicht der Knopfhäusle, Blick von der Schwarzwaldstraße Richtung Emil-Thoma-Schule. Vorlage: Stadtarchiv Freiburg, M 72 E141/5.

Zwei Jahre nach Arbeitsbeginn beschäftigte Jeremias Risler 72 Arbeiter, darunter auch Kinder, sowie 200 Heimarbeiter im Freiburger Umland, die die Knöpfe zum Verkauf auf Pappen nähten. Aus der Produktion von Baumwollkratzen zog er sich zurück und konzentrierte sich auf die Knopfherstellung.

Anfang der 1870er Jahre erlebte die Fabrik ihre Blütezeit. Rund 720 Personen arbeiteten für Risler unter teilweise lebensgefährlichen Bedingungen im Werk. Zusätzlich kamen 2000 Heimarbeiter hinzu.

Nach Jeremias Rislers Tod 1884 übernahm Sohn Emil das Unternehmen. Im Jahr 1910 kaufte er die Rheinische Perlen- und Porzellanfabrik in Herzogenrath bei Aachen. Nach und nach wurde die Produktion in Freiburg stillgelegt und an den neuen Standort verlegt.

Die Errichtung der firmeneigenen Arbeitersiedlung wurde von René Dutfoy initiiert. Die ersten Häuser der „Knopfhäusle-Siedlung“ konnten schon 1870 dem badischen Großherzog vorgeführt werden. Bis 1889 entstanden mehr als 110 Arbeiterwohnungen. Zur Siedlung gehörte auch die benachbarte Maria-Schutz-Kapelle (ursprünglich Maria Hilf genannt) mit einer Schwesternstation.

Maria-Hilf-Kapelle, heute Maria-Schutz, und Knopfhäusle in der Schützenallee um 1930. Vorlage: Stadtarchiv Freiburg, Sign. M 70 S 202/28 Nr. 168.

Die Siedlung ist ein frühes Beispiel für sozialen Wohnungsbau in der Stadt. Die rund 100 Wohnungen in Reihenhäusern mit jeweils eigenem Garten für den Anbau von Obst und Gemüse sind meist nur 50 Quadratmeter groß. Das Ensemble steht nach mehrfachen Abrissplänen seit 1983 unter Denkmalschutz. Inzwischen ist eine Sanierung entschieden. Hierzu wurde die Knopfhäuslesiedlung 2017 in ein Förderprogramm für Städtebau aufgenommen.

Literatur

Beule, Jelka Louisa: Die Knopfhäusle-Siedlung in der Wiehre ist ein besonderes Stück Freiburg, in: Badische Zeitung vom 22. Juli 2017, http://www.badische-zeitung.de/freiburg-sued/die-knopfhaeusle-siedlung-in-der-wiehre-ist-ein-besonderes-stueck-freiburg–139653042.html [11.12.2018].

Ecker, Ulrich P.: Ursprung der „Knopfhäusle“, in: Oertel, Thomas; Winkler, Klaus (Hg.): Die Wiehre – ein Almanach, Freiburg: Kehrer, 1999, S. 123–125.

Fäßler, Peter: Jeremias Risler. 1811–1889, in: Kalchthaler, Peter; Preker, Walter (Hg.): Freiburger Biographien, Freiburg: Promo, 2002, S. 144–145.

Daniel Mannhardt, Pädagogische Hochschule Freiburg, Freiburg