Geigesturm

Der markante Turm auf dem ehemaligen „Gütle“ der Familie Geiges ist eines der prägenden Bauwerke der Oberwiehre. Der Freiburger Künstler, Lokalhistoriker und spätere Ehrenbürger Fritz Geiges (1853–1935), reichsweit berühmt für seine Arbeiten im Stil des Historismus, lebte und wirkte in diesem Gebäude, das ihm als Glasmalereiwerkstatt diente.

Der Geigesturm mit einer Malerei von Fritz Geiges
auf der Ostseite, Zustand 2019.
Foto: Miriam Sénécheau.

Alois Sigmund Friedrich (Fritz) Geiges wurde am 2. Dezember 1853 als Sohn des Gewerbeschullehrers Sigmund Geiges und dessen Ehefrau Theresia geb. Baumann in Offenburg geboren.

Seine Vorfahren allerdings waren seit 1760 in Freiburg ansässig, weswegen Geiges Freiburg als seine „eigentliche Vaterstadt“ verehrte und erforschte. Geiges hatte eine künstlerische Ausbildung an der Kunstschule in Stuttgart und der Kunstakademie München genossen. Ab 1878 war er in Freiburg als Kunstzeichner und Zeichenlehrer tätig. Schon im Jahr 1873 gründete er mit Gleichgesinnten den Breisgau-Geschichts-Verein „Schau-ins-Land“. In der Vereinszeitschrift veröffentlichte er zahlreiche Aufsätze zur Regionalgeschichte der Stadt und des Münsters.

In dieser Zeit lieferte Geiges schon die ersten Entwürfe für Glasgemälde, u. a. für die „Stube“ und die Erker des Kaufhauses. Im Jahr 1889 eröffnete er in dem Atelierturm eine eigene Werkstätte für Glasmalerei auf dem familieneigenen „Gütle“ in der Wiehre. Zu Geiges‘ Arbeiten zählen beispielsweise die Fassadengestaltung des Alten Rathauses und des Basler Hofs sowie das noch erhaltene Gemälde des Stadtpatrons St. Georg auf der Außenseite des Schwabentors. Seine wichtigste Arbeit war allerdings die Instandsetzung der Freiburger Münsterfenster. Hierzu schrieb Geiges sein monumentales Werk „Der mittelalterliche Fensterschmuck des Freiburger Münsters“. 1920 wurde er Ehrendoktor der Universität, 1923 verlieh ihm die Stadt die Ehrenbürgerwürde. Im Stadtteil Waldsee trägt eine Straße seinen Namen.

Der als Künstleratelier erbaute und heute unter Denkmalschutz stehende „Geigesturm“ beherbergt seit 2004 den Bundesverband Bildender Künstlerinnen und Künstler (BKK) Südbaden e. V. und das Kulturwerk T 66 mit Ausstellungsräumen.

Literatur

Kalchthaler, Peter: Fritz Geiges, in: Kalchthaler, Peter; Preker, Walter (Hg.): Freiburger Biographien, Freiburg: Promo, 2002, S. 186–187.

Kalchthaler, Peter: Künstler und Lokalhistoriker, in: Oertel, Thomas; Winkler, Klaus (Hg.): Die Wiehre – ein Almanach, Freiburg: Kehrer, 1999, S. 132–133.

Daniel Mannhardt, Pädagogische Hochschule Freiburg, Freiburg 2018