Alter Wiehre-Friedhof

Um 1830 wurde der Friedhof vom Annaplatz ins damalige Gewann „Oberfeld“ verlegt. Der so entstandene Wiehre-Friedhof wurde bis 1923 genutzt. Inzwischen dient die kleine Grünanlage Erwinstraße, Ecke Dreikönigstraße als Kinderspielplatz.

Von Bedeutung für die Freiburger Geschichte ist der Friedhof vor allem, weil sich dort, am Eingang der Dreikönigstraße, das Mausoleum Maximilian Dortus befindet.

Nach dem Abitur in Potsdam diente Maximilian Dortu (1826–1849) als Einjährig-Freiwilliger in der preußischen Landwehr. Während seines Studiums kam er in Heidelberg mit dem „Neckarbund“, einer revolutionären Gruppe, in Berührung. Ab 1848 begann Dortu, in Potsdam revolutionäre Reden zu halten, und bezeichnete Prinz Wilhelm von Preußen als „Kartätschenprinz“. Um einer Verurteilung wegen Majestätsbeleidigung zu entkommen, floh Dortu nach Frankreich. Im Mai 1849 reiste Dortu nach Baden und schloss sich dem radikaldemokratischen „Klub des entschiedenen Fortschritts“ an.

Mausoleum für Maximilian Dortu auf dem alten Wiehre-Friedhof. Foto: Matthias Baumann.

Maximilian Dortu wurde am 4. Juli 1849 von einem ehemaligen Soldaten erkannt und im Anschluss verhaftet. Am 11. Juli wurde er zum Tod verurteilt und am frühen Morgen des 31. Juli 1849 durch ein preußisches Erschießungskommando hingerichtet. Sein Leichnam wurde auf dem Wiehre-Friedhof beigesetzt. Dortus Mitkämpfer Friedrich Neff und Gebhard Kromer ereilte das gleiche Schicksal. Um einer Verehrung der Revolutionäre als Märtyrer entgegen zu wirken, verboten die Regierenden das Anlegen von richtigen Gräbern. Im September 1849 wurden elf Frauen aus Uffhausen verhaftet, die Blumen auf Dortus Begräbnisstätte legten. Noch bis 1898 war das Abhalten von Trauerfeiern an dem Grab verboten.

Maximilians Eltern bemühten sich um die Errichtung einer würdevollen Grabstätte für ihr einziges Kind. Nach dem Tod des Vaters ließ Dortus Mutter eine Gruft auf dem Wiehre-Friedhof errichten. Sie vermachte der Stadt zusätzlich 1000 Gulden, um das Grab „für alle Zeiten“ zu pflegen.

Das Mausoleum im neugotischen Stil ist heute ein bedeutender Ort zur Erinnerung an die Revolutionäre von 1848.  

Literatur

Riess, Barbara: Das Max-Dortu-Grab, in: Dies., 111 Orte in Freiburg, die man gesehen haben muss, Köln: Emons, S. 126–127.

Scherb, Ute: „Wir bekommen die Denkmäler, die wir verdienen“. Freiburger Monumente im 19. und 20. Jahrhundert, Freiburg: Stadtarchiv, 2005, S. 62–63.

Siebold, Heinz: 1848 – Ein Aufstand für Freiheit und Menschenrechte, in: Fiek, Wolfgang;  Kalchthaler, Peter: 1000 Jahre Wiehre. Ein Almanach 1008 – 2008, Freiburg: Promo, 2007, S. 140–147.

Daniel Mannhardt, Pädagogische Hochschule Freiburg, Freiburg 2018