Leser*innenbrief Zasiusstraße Unfall

Sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte,

sehr geehrte Damen und Herren der Bürgervereine,

der tödliche Unfall an der Einmündung Ecke Zasiusstraße / Bürgerwehrstraße am 16.09.2020 ist Ihnen bekannt. Wer sich in der Wiehre auskennt oder sich einfach mal mit offen Augen umschaut, kann nur zu dem Schluss kommen, dass weitere schwere und auch erneut tödliche Unfälle nur eine Frage der Zeit sind.  

Es ist sehr erfreulich, dass nun zumindest einige Ecken entschärft wurden. Gleichzeitig gibt es mehrere, äußerst prekäre Situationen, die deutlich komplexer und unübersichtlicher sind als der Ort des schrecklichen Unfalls. Meine Hoffnung ist, dass Änderungen erfolgen, bevor der nächste schwere Unfall erfolgt.  

Ein m.E. – und aus Sicht aller Anwohner, mit denen ich hierzu sprach – akutes Beispiel ist die Ecke Dreikönigstrasse / Urachstrasse mit der Einmündung der Peter-Sprung-Straße. Die Ecke weist mehrere Besonderheiten auf. Zusätzlich hat sich die Gefahr zunehmend erhöht, wie ich erläutern werde. 

1. Überlappung Fahrradweg und verkehrsberuhigte Straße:

 Das passt hier leider schlecht zusammen, weil sich in unmittelbarer Nähe ein Spielplatz befindet und auch die unmittelbar angrenzende Sickergrube als solcher genutzt wird. Ganztags spielen Kinder, rennen dem Ball hinterher auf den Fahrradweg, lernen Fahrradfahren etc. Gleichzeitig brausen ständig Fahrräder vorbei, viele in Eile, viele ohne jede Rücksicht. Hinzu kommen immer mehr eilige E-Biker. Die Wahrheit ist auch, dass jede Menge Autos weiterhin und in beide Richtungen den Schleichweg nutzen. Das ist ein riesiges Chaos, das mit dem Frühlingswetter wieder an Schärfe gewinnt. 

2. Direkt an die Fahrradstraße / verkehrsberuhigte Straße grenzt ein mobiles Café. Kunden setzen sich meist auf die Steine der Sickergrube und müssen dafür die Straße überqueren, oft ohne sich bewusst zu sein, dass es hier jeder Zeit krachen kann. Kinder durchschauen diese Gefahrenquelle nicht. 

3. Fahrradfahrer sind ständig der Meinung, Vorfahrt an der Einmündung zu haben. Dies ist zwar Unsinn, ist aber ein reales Problem. Auch Kinder schießen ständig über die Dreikönigstrasse in die Urachstrasse (u.a Schulweg BG, DFG, Emil-Thoma). Die Unübersichtlichkeit wird erhöht durch einen unglücklich platzierten Altkleidercontainer, hinter dem Kinder komplett unsichtbar werden. 

4. Inzwischen gibt es in unmittelbarer Nähe 3 Cafés, bis vor ein paar Jahren gab es keines. Daher sind sehr viele Menschen auf der Strasse. Eine weitere Folge ist, dass Gäste die Ecken zuparken. Daher sind ständig die an sich freigehaltenen Ecken täglich zugestellt – man holt sich ja nur schnell einen kaffee. Dadurch ist die Kreuzung für Kinder sehr gefährlich. Kinder, die auf die Urachwiese gehen, können von sowohl von Rechtsabbiegern als auch von Linksabbiegern aus der Dreikönigstrasse in die Urachstrasse mitgenommen werden. Viele Fahrer blinken nicht, viele haben ein Telefon am Ohr, ich sehe das jeden Tag. Ärgerlicherweise versperrt hier auch noch ein Parkautomat die Sicht. 

Ich könnte Ihnen noch jede Menge Details schildern. Ich hoffe aber, dass die Botschaft hiermit gesendet ist und Details auf Arbeitsebene und mit Beteiligung der Anwohner besprochen werden können.  

Hierzu stelle ich fest:

Am 22.10.2020 hatte ich gemäß telefonischer Auskunft GUT schriftlich um eine Verkehrsschau gebeten und dieses Anliegen begründet. Als Antwort erhielt ich eine vage Bitte um Geduld. Als ich anbot, mich einzubringen, bekam ich keine Antwort mehr. Das ist bitter, weil immer gerne von Bürgerbeteiligung die Rede ist. 

Hierzu möchte ich daran erinnern, dass man vor Jahren schon einmal ohne jegliche Rücksprache mit Anwohnern Poller aufgestellt hatte. Dieser wenig durchdachte Aktionismus stieß auf Verwunderung und entschärfte die Kreuzung nicht. Nach mehreren Kollisionen wurden die Poller wieder entfernt. Später wurden Parkverbotsflächen markiert, die aber leider keine Wirkung haben. 

Ich bin selbstständig, verzichte bewusst auf staatliche Unterstützung in der Coronakrise, habe zwei Kinder und kümmere mich um meine demente Mutter. Sie können mir glauben, dass ich während einer Gesundheitskrise nicht zum Spass nach Ladenschluss einen detaillierten Brief schreibe. 

Ich möchte das Risiko reduzieren, dass ein weiterer schlimmer Unfall passiert, was mir an dieser Ecke fast unausweichlich erscheint. Es reicht, dass vor Jahren ein Kind aus der Dreikönigstrasse am Café Atlantik überrollt wurde und es reicht, dass ein paar Ecken weiter – an einer deutlich übersichtlichen Kreuzung – ein Ehemann, Vater, Sohn und Freund aus dem Leben gerissen wurde. Die beschriebene Ecke ist nicht nur eine von vielen, sie ist besonders frequentiert und riskant. 

Ich zähle auf Sie, dass Sie meine Sorge und die Sorge einer grossen Zahl von Anwohnern ernst nehmen und zumindest und das veranlassen, was m.E. einfach möglich sein müsste; eine Verkehrsschau, bei dem die Expertise der Verwaltung zusammengebracht wird mit der täglichen Erfahrung der Anwohner.

Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Aufmerksamkeit und Ihre Bemühungen,

Tilman Jäger mit Tatiana Cyro Costa, Nino und Eric

Weiterer Leserbrief zum gleichen Thema:

Sehr geehrte Damen und Herren des Bürgervereins,

als Vater von 2 kleinen Kindern bitte ich Sie um Unterstützung, dass mein Schreiben an Herrn Oberbürgermeister Martin Horn und an die Stadtratsfraktionen Öffentlichkeit erfährt.

Sehr geehrter Herr Horn, liebe Zuständige aus den Gremien,
ich wende mich an Sie, mit der Bitte, ob es nicht möglich wäre, die Verkehrssituation in der Urachstraße zu prüfen und ggf. Maßnahmen einzuleiten. Zwei Stellen möchte ich ansprechen:
a) Der Übergang zum Kindergarten St. Christophoruns und zum Kickplatz, der regelmäßige von sehr vielen, auch sehr kleinen Kindern aus der gesamten Wiehre frequentiert wird.
Dieser ist durch Poller verengt und es wird relativ häufig geblitzt, was ja zeigt, dass hier viele Autofahrer zu schnell fahren. Für ganz kleine Kinder sind die Poller alleine aber nicht ideal, da sie die Kinder selbst ja verdecken, wenn sie nicht in Begleitung von Erwachsenen sind. Ich bin Anwohner genau an dieser Stelle und beobachte oft die heiklen Situationen.
Es kommt hinzu, dass sehr viele Fahrrad- und Pedelec-Fahrer die Achse nutzen, deren Geschwindigkeit ist zum Teil schwer abzuschätzen! 
Wäre es bitte möglich, hier zu wohlwollend prüfen, ob nicht ein „echter“ Zebrastreifen möglich wäre, etwa vergleichbar dem, weiter die Urachstraße „hinunter“ in Richtung Günterstalstraße oder /und eine Fahrbahnschwelle, die zum Runterdrosseln der Geschwindigkeit nötigt.
b) die Kreuzung an der Cafékiste ist für alle Verkehrsteilnehmer extrem unübersichtlich. Aus vielen verschiedenen Richtungen kommen alle Varianten von Verkehrsteilnehmern, sobald jemand mit zu hohem Tempo kommt, wird es sofort sehr gefährlich, auch hier fände ich es schön, wenn sie geeignete Maßnahmen prüfen könnten. Generell ist das Leben an diesem Punkt der Wiehre absolut zu begrüßen und toll und ein wichtiger Punkt in der Wiehre. Es wäre sehr schön, wenn der Verkehr hier noch klarer gezwungen wäre, dieser Lebendigkeit anzupassen.  

Herzlichen Dank und viele Grüße
Max Frei – Urachstr. 39